Twelve Points to Austria

Kolumne zum Eurovision Song Contest

„12 Points to Austria!“, steht in der Ankunftshalle am Flughafen Schwechat geschrieben. Große Leuchtreklamen bewerben den bevorstehenden Eurovision Song Contest. „Wie, das ist jetzt schon?“, denk ich mir. Tatsächlich: in wenigen Wochen beginnt das Fernsehspektakel und tausende Touristen werden die Stadt fluten. Doch ist Wien überhaupt gerüstet für den Ansturm?

Für die meisten Besucher beginnt das Abenteuer bereits am Flughafen, denn irgendwie müssen sie ja in die City kommen. Für gut betuchte Gäste bietet sich ein Flughafen-Taxi an: ab 33 Euro pro Fahrt ist man dabei. Wer’s einfacher will und bereit ist, sich dafür über den Tisch ziehen zu lassen, dem steht der City Airport Train zur Verfügung (12 Euro). Oder man wählt die herkömmliche S-Bahn um 4,40 Euro. Der billige Preis hat aber einen Haken: den tristen Ausblick auf ausgestorbene Dörfer Niederösterreichs, gepaart mit olfaktorischen Highlights der Ölraffinerie in Mannswörth. Dagegen gleicht jeder Vorort von Paris einem Urlaubsparadies.

Entscheidet man sich für die Fahrt mit der S-Bahn, ist das österreichische Chaos vorprogrammiert: Kernzone oder Außenzone? Streifenkarte, Halbpreiskarte, Tageskarte? Wählt man eine Tageskarte, muss man seine Definition von einem Tag neu überdenken: beim Verkehrsverbund endet dieser nämlich nicht nach 24 Stunden, sondern um Punkt Mitternacht. Cinderella goes Vienna.

Die vierte und wahrscheinlich bescheuertste Option: der Mietwagen. Nur, weil man den Führerschein hat, heißt das noch lange nicht, dass man auch in Wien Autofahren kann. Südosttangente, Verteilerkreis, Gürtel, Ring. Hat man es lebendig in die Stadt geschafft, beginnt die Parkplatzsuche – und die Frage, wo man überhaupt parken darf. Parkpickerl, Kurzparkzone, Stadthallen-Innenzone. Welcher Tourist hier durchblickt, verdient einen Orden.

Spätestens nach einer Woche hat der Spuk ein Ende und die Touristen fliegen wieder heim. Ob sie Österreich dann noch immer zwölf Punkte geben würden, bleibt offen.